Kürzlich waren Michaela und ich in London. Sie hatte mir Tickets zur ABBA Concert Show geschenkt und die Show war mega. Aber man durfte nicht fotografieren. Schade, es wäre nämlich einen Blogartikel wert gewesen.

Vor unserem Rückflug am 19.07.22, dem bis dato heißesten Tag in der Geschichte des Vereinigten Königreichs, hatten wir einen ganzen Tag “zur freien Verfügung” in London. Ich hatte natürlich Fotoausrüstung dabei, auch für Gigapixelbilder, aber nicht das übliche “volle Programm”. Üblich sind ein stabiles Stativ, 2 Kameragehäuse, ein paar “normale” Objektive und mein Canon EF 4/600 mm IS II. Doch das blieb diesmal zu Hause. Statt dessen hatte ich das RF 11/600 mm dabei.  Dieses Objektiv wiegt unter 1 kg (gegenüber 4,2 kg des 4/600), und ist im Transportzustand nur 22 cm lang. Passt also gut zusammen mit den anderen Objektiven in meine normale Fototasche und muss daher nicht als eigenes Handgepäckstück deklariert und bezahlt werden. Weil es so leicht ist, wirkt es allerdings auch etwas fimschig. Sowas nenne ich traditionell “Joghurtbecher”, daher der Titel. Man bekommt es neu für etwas über 700 €. Die Schärfe ist überraschend gut, wenn auch kein Vergleich zum 4/600 II, für das ich seinerzeit 12.000 € hinblättern musste. Das 4/600 wollte ich aber diesmal nicht mitnehmen, zumal ich nicht wusste, ob sich überhaupt die Gelegenheit zu einem Gigapixelbild ergeben würde. Aber die ergab sich. Der Morgen des 18. Juli war sonnig und so beschloss ich, früh aufzustehen und ein etwas größeres Bild des Palace of Westminster zu machen, auch bekannt als “Houses of Parliament” und noch bekannter für die Glocke im “Elisabeth Tower”, die “Big Ben” genannt wird. Der Elizabeth Tower war seit 2017 eingerüstet und hatte die längste und teuerste Renovierung seiner Geschichte über sich ergehen lassen, die erst im Sommer 2022 beendet war. Der Turm ist jetzt also wieder “wie neu”.

Das wäre sicherlich ein gutes Motiv für ein Gigapixelfoto, dachte ich.

Das Ergebnis ist letztendlich ganz gut geworden, auch wenn ich bei der Aufnahme schon bereute, nicht das dicke Objektiv mitgenommen zu haben. Blende 11 ist doch recht wenig und an der R5 ist die Schärfe bei 11 schon beugungsbegrenzt. Zudem scheint der Bildstabilisator noch zu arbeiten, nachdem die Belichtung bereits begonnen hat, denn eine Bildseite ist bei Wind immer etwas unschärfer als die andere und das, obwohl das Objektiv perfekt zentriert ist.

Weiterer Nachteil: Der Autofokus ist auf einen mittleren Bereich beschränkt.

Noch gravierender ist die Tatsache, dass das Objektiv bei Blende 11 so stark vignettiert wie das 4/600 bei Blende 4, was sich auch nicht durch weiteres Abblenden verbessern ließe (das Objektiv hat gar keine Blende). Das 4/600, abgeblendet auf 8 hingegen vignettiert praktisch nicht mehr.

Das waren aber auch schon alle Nachteile. Der Vorteil des 11/600 ist natürlich, dass man es eigentlich immer dabei haben kann. Beim 4/600 überlegt man zweimal.

Schaut man sich die Bilder bei 100 % auf dem Bildschirm an, so sind sie zwar detailreich und scharf und man ist eigentlich ganz angetan … Solange jedenfalls, bis man die Bilder vom 4/600 daneben betrachtet. Das 11/600 ist in der “OK”-Klasse, das 4/600 in der “WOW”-Liga.

Ich habe die Bilder erst in Lightroom ohne Rauschreduzierung oder Schärfung gerendert, dann mit einem eigenen Programm die Vignettierung verringert. Danach mit TOPAZ Denoise das Rauschen entfernt und die Schärfe optimiert.

Danach sieht das Ergebnis eigentlich ganz gut aus:

www.supergigapixel.com/gigapx/show.php?n=107

Hier mal ein Detail der Uhr:

Für den Abend desselben Tages hatte ich mir schon eine andere Position, gegenüber dem Tower of London und der Tower Bridge herausgesucht. Nachdem ich alles aufgebaut hatte, wurde ich von einem Uniformierten verjagt. Fotografie vom Stativ nicht erlaubt. Angeblich weil “Private Property” und “Security”. Lächerlich. Am Vortag hatte man mich schon mit derselben Begründung vom Granary Square vertrieben. Auch von der Terrasse der Modern Tate durfte ich nicht fotografieren. Über diese Restriktionen war ich natürlich “not amused”. Eine Stadt, die selbst mit etwa einer Million Überwachungskameras ihre Bürger bespitzelt, verhindert professionelle Fotografie. Not my cup of tea!